Nordirland wird voraussichtlich am 1. Oktober 2026 die erste Region im Vereinigten Königreich sein, die abgestufte Führerscheine (GDL) einführt, was die umfassendste Überarbeitung des Führerscheins seit fast sieben Jahrzehnten darstellt. Ziel der Maßnahme ist es, die unverhältnismäßig hohe Zahl schwerer und tödlicher Verkehrsunfälle unter Beteiligung junger Fahrer drastisch zu reduzieren.
Warum das wichtig ist: Eine Krise in der Sicherheit junger Fahrer
Junge Fahrer (im Alter von 17 bis 23 Jahren) sind für 24 % aller tödlichen oder schweren Unfälle in Nordirland verantwortlich, obwohl sie nur 8 % aller Fahrerlaubnisse besitzen. Diese Statistik unterstreicht ein klares und dringendes Sicherheitsproblem: Neue Fahrer sind deutlich häufiger in verheerende Unfälle verwickelt. Das GDL-Programm soll hier Abhilfe schaffen, indem es einen strukturierten Lernprozess und vorübergehende Einschränkungen einführt.
Wichtige Änderungen im neuen System
Die GDL wird mehrere wichtige Änderungen einführen:
- Sechsmonatige Wartezeit: Fahrschüler müssen sechs Monate warten, bevor sie ihre praktische Fahrprüfung ablegen können. Diese Verzögerung bietet zusätzliche Zeit für Erfahrung und Reife.
- Nächtliche Einschränkungen: Für Fahrer unter 24 Jahren gelten Einschränkungen beim Fahren in der Nacht. Zwischen 23:00 und 6:00 Uhr dürfen sie nur einen Passagier im Alter von 14 bis 20 Jahren befördern, es sei denn, auf dem Vordersitz sitzt ein Erwachsener (21+) mit mindestens drei Jahren Fahrerfahrung.
- Obligatorisches Schulungstagebuch: Neue Fahrer müssen ein GDL-Schulungsprogramm absolvieren und ihre Fortschritte protokollieren, bevor sie ihre praktische Prüfung ablegen. Dadurch wird ein umfassenderes Verständnis sicherer Fahrpraktiken gewährleistet.
- Verlängerte Probezeit: Neu qualifizierte Fahrer müssen 24 Monate lang ein „R“-Schild führen – doppelt so viel wie bisher. Zwei Farben zeigen an, ob ein Fahrer seit weniger als sechs Monaten im Besitz einer Fahrerlaubnis ist.
Internationaler Präzedenzfall und Durchsetzung
Das GDL-Modell hat sich bereits in anderen Ländern wie Australien, Kanada und Schweden bewährt. Verstöße gegen die neuen Beschränkungen drohen Strafen: drei Strafpunkte auf dem Führerschein oder Geldstrafen von bis zu 1.000 £. Das Ministerium für Infrastruktur betont, dass diese Maßnahmen nicht dazu gedacht sind, die Unabhängigkeit einzuschränken, sondern Leben in der gefährlichsten Zeit für neue Fahrer zu retten.
Das Gesamtbild: Werden andere britische Nationen folgen?
Die Initiative Nordirlands wirft die Frage auf, ob der Rest des Vereinigten Königreichs ähnliche Maßnahmen ergreifen wird. Angesichts des Erfolgs von GDL-Programmen andernorts deuten die Beweise darauf hin, dass eine solche Politik die Zahl der Unfälle und Todesfälle junger Fahrer deutlich reduzieren könnte. Eine umfassendere Umsetzung würde jedoch eine sorgfältige Prüfung der öffentlichen Akzeptanz und der logistischen Herausforderungen erfordern.
„Das grundlegende Ziel des Autofahrenlernens sollte darin bestehen, Fahrer zu schaffen, die sicher und nicht nur technisch kompetent sind“, erklärte Infrastrukturministerin Liz Kimmins.
Die Einführung von GDL soll dies durch einen strukturierten Ansatz zum Erlernen des Fahrens erreichen, einschließlich der Erstellung eines Schulungsprogramms und eines Fahrtenbuchs. Dadurch werden die Fahrer sowohl auf die Fahrprüfung als auch auf die erste Fahrphase nach der Prüfung besser vorbereitet, indem den Lernenden geholfen wird, zu verstehen, wie menschliche Faktoren wie Einstellung, Persönlichkeit, Verhalten und Gefühle ihren Fahrstil beeinflussen.
